Baukulturdienst Weser-Leine-Harz im Interview
Das Projekt Baukulturdienst Weser-Leine-Harz ist bereits im vollen Gange. Ylva Cohrs-Müller, Projektkoordinatorin beim Interessengemeinschaft Bauernhaus e.V., berichtet von Ihren bisherigen Erfahrungen und stellt das Projekt näher vor.
Was sind die wesentlichen Ziele des Projektes Baukulturdienst Weser-Leine-Harz?
Der Baukulturdienst Weser-Leine-Harz (BKD) bietet Eigentümern und Bewohnern regionaltypischer sowie ortsbildprägender historischer Gebäude eine kostengünstige unabhängige Beratung und fachkundige Analyse zur Aufwertung und Sicherung der Bausubstanz sowie Hinweise zur klimagerechten energetischen Sanierung von Altbauten unter Berücksichtigung der besonderen Bauweise historischer Gebäude an. Somit wird nicht nur ein Beitrag zum Erhalt der Gebäude geleistet, was auch zum Klimaschutz beiträgt, sondern auch ein gepflegtes Ortsbild als Grundlage hergestellt.
Wer kann sich an den Baukulturdienst wenden und wie läuft eine Untersuchung ab?
Es gibt zwei Kriterien, die die zu untersuchenden Gebäude erfüllen müssen: Das Baujahr muss vor 1945 liegen und das Gebäude sollte im BKD-Gebiet liegen. Jeder, der ein solches Gebäude besitzt, darin wohnt oder eines kaufen oder erben möchte bzw. wird, kann sich an den BKD wenden.
Die Koordinatoren im BKD-Büro beraten die Kunden zum passenden Auftrag und schließen diesen ab. Nach Möglichkeit kann der Kunde vorab Infos und Materialien zum zu untersuchenden Objekt zur Verfügung stellen. Dann wird vom Koordinator ein passender BKD-Inspektor ausgewählt und beauftragt. Der Inspektor meldet sich dann zwecks Terminabsprache direkt beim Kunden. Beim Ortstermin kann der Kunde zusammen mit dem Inspektor durchs Gebäude gehen, sollte den Inspektor aber nicht zu sehr von der Untersuchung ablenken. Im Anschluss schreibt der Inspektor – wenn gewünscht – einen schriftlichen Bericht. Dieser Bericht wird vom BKD-Büro geprüft und dann an den Kunden gesendet. Die Abrechnung erfolgt unkompliziert zwischen BKD-Büro und Kunden, sodass der Kunde sich nicht mit Förderanträgen für die Untersuchung beschäftigen muss.
Der Baukulturdienst berät u.a. Besitzende von Gebäuden, die vor 1945 gebaut sind. Was sind die Besonderheiten an diesen historischen Bauten? Wieso braucht es dafür spezielle Experten?
Das über viele Jahrhunderte gewachsene Wissen ist durch die Fülle an modernen Baustoffen und Bautechniken der letzten Jahrzehnte zum Großteil verloren gegangen in der Annahme, dass die modernen Baustoffe und -techniken grundsätzlich besser sind. Leider passen die modernen Baustoffe und -techniken nicht immer zu den natürlichen Baustoffen und -techniken der historischen Gebäude, sodass das „alte Wissen“ verbunden mit neuen Erkenntnissen wieder unter die Leute gebracht werden muss. Die heute üblichen Ausbildungen und Studiengänge vermitteln leider nur sehr selten das erforderliche Wissen mit dem Umgang mit historischen Bauten.
Was sind die wichtigsten Erkenntnisse aus der ersten Phase? Inwieweit fließen diese nun in die neue Phase ein?
Die wichtigste Erkenntnis ist, dass es einen hohen Beratungsbedarf bei Menschen gibt, die mit alten Gebäuden zu tun haben und der BKD dazu einen Beitrag leisten kann. In den gut drei Jahren der ersten Förderphase wurden ca. 170 Objekte untersucht. Wiederholt sind dabei Fragen zur energetischen Verbesserung der Wohngebäude aufgekommen, sodass für die zweite Förderphase die „Energetischen Empfehlungen“ mit ins Projekt aufgenommen wurden. Da auch häufig nach unkomplizierten und kurzfristigen Beratungen von Kaufinteressierten gefragt wurde, wurde schon in der ersten Förderphase die Inspektion light mit mündlichen Erläuterungen vor Ort (also ohne schriftlichen Bericht im Nachgang) ins Projekt aufgenommen.
Haben Sie schon erste Erfahrungen gesammelt, wie die neuen Angebote „Inspektion light“ und die „Energetischen Empfehlungen“ nachgefragt werden?
Den größten Anteil machen nach wie vor die klassischen Untersuchungen mit Bericht aus, jedoch wird die „Inspektion light“ ca. einmal pro Monat in Anspruch genommen und die „Energetischen Empfehlungen“ werden zu mehr als jedem dritten Inspektionsbericht dazu gebucht.
Wie viele Inspektoren gibt es bereits in dem Netzwerk und aus welchem fachlichen Spektrum kommen Sie?
Es gibt aktuell über 20 aktive Inspektoren im BKD-Netzwerk, Tendenz steigend. Weitere zur Zeit nicht aktiv als BKD-Inspektor arbeitende Personen haben in den letzten Jahren an BKD-Schulungen teilgenommen. Unter den Inspektoren sind Handwerksmeister, Restauratoren, Ingenieure und Architekten, die über mehrjährige Berufserfahrung in der Altbausanierung verfügen und einen ganzheitlichen Blick auf die Gebäude werfen können. Wir sind offen für weitere Inspektoren.
Welchen Mehrwert sehen Sie durch die Förderung als LEADER-Kooperationsprojekt?
Über die LEADER-Regionen können wir auf bereits vorhandene vernetzte Strukturen zurückgreifen. So haben wir Kontakt zu Menschen aus den jeweiligen Gebieten, was uns bei Werbung und Veranstaltungen unterstützt.
Gab es etwas, das Sie persönlich im Rahmen des BKD besonders erfreut oder stolz gemacht hat?
Es hat mich besonders gefreut, dass das Projekt nicht mit dem Ende der ersten LEADER-Förderphase eingestellt werden musste, sondern dass wir es mit Hilfe der Landkreise Hameln-Pyrmont, Hildesheim und Schaumburg geschafft haben, die Übergangszeit bis zum Start der zweiten LEADER-Förderphase zu überbrücken. Dies ist nicht selbstverständlich. Nun arbeiten wir bereits darauf hin, dass das Projekt auch nach dem Ende der zweiten LEADER-Förderphase weitergehen kann. Wir hoffen, dass es uns gelingt – ähnlich wie der Monumentendienst im Nord-Westen – eine institutionelle Förderung zu bekommen.
Was soll vom Projekt nach dem Abschluss im Jahr 2027 bleiben? Welchen „Fußabdruck“ möchte der Verein hinterlassen?
Wie schon erwähnt, soll das Projekt mit dem Abschluss der LEADER-Förderphase nicht zu Ende sein! Es soll weitergehen, denn die Unterstützung von Althausbesitzern wird immer wichtig bleiben.
Der „Fußabdruck“ soll eine Vielzahl von fachgerecht erhaltenen alten Gebäuden sein, die einen Beitrag zum Klimaschutz leisten und als Zeugnisse der Baukultur in unserer Umgebung bestehen bleiben.



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